Die Ortsvereine und die Pfarrei Schönau führen alle10 Jahre „Das Schönauer Krippenspiel“ auf, wobei um die 30 Laiendarsteller mitwirken .
Turnusgemäß ist dies wieder in der Adventszeit 2026 der Fall, gespielt wird auf der dafür extra angefertigten Bühne in der Schönauer Mehrzweckhalle.
Wolfgang Koller, der damals Schullehrer in Schönau und später Schulrat in Ebersberg war, schrieb „Das Schönauer Krippenspiel“ im Nachkriegsjahr 1946.
Durchgängig in Versform, dabei überwiegend im heimischen Dialekt und mit gesungenen Szenen begeistert das Stück auch heute noch.Die Sprache und Ausdrucksweise ist einerseits sehr einfach gehalten, andererseits ist die Botschaft dennoch stark genug um ihr Ziel, die Herzen der Zuschauer, zu erreichen.
„Das Schönauer Krippenspiel“ beschreibt die Weihnachtsgeschichte nicht in der gängigen Form:
Ganz bewusst ist die Handlung in die damalige Gegenwart von Schönau verlegt und zieht immer wieder parallelen zwischen den Geschehnissen um 1946 und der Weihnachtgeschichte. Die Herbergssuche etwa wird verglichen mit der Not der Heimatvertriebenen, in anderen Dialogen kommen die politische und gesellschaftliche Unsicherheit sowie das menschliche Leid der Nachkriegszeit zum Ausdruck. Auch Hinweise auf die Ursachen der Not und auf das Leid sind in dem Krippenspiel enthalten. Solche Details sind auf symbolische Art eingewoben wenn etwa vom „neuen Schäfer“ (Hitler), dem „großen Wolfshund“ (Stalin) oder vom „roten Himmel über München“ (die nächtlichen Bombenangriffe) gesprochen wird.
Wolfgang Koller schaute dem sogenannten „einfachen Mann“ sehr gerne „auf´s Maul“, deswegen sprühen einige seiner Dialoge geradezu von hintergründigem bayerischem Humor. Obwohl das Krippenspiel auch einige sehr humorvolle Szenen enthält, behält es dabei trotzdem seinen stark religiösen Charakter.
Wolfgang Koller wollte die Menschen mit seinem Stück zu menschlicher Solidarität und aktiven Handeln zur Bewältigung der damals aktuellen Probleme aufrufen. Es war ihm bewusst, dass die Integration der Heimatvertriebenen eine der größten Herausforderungen für jede Gemeinde werden würde. Diese Aufgabe konnte nur bewältigt werden, wenn die Menschen Vertrauen und Zuversicht in eine gemeinsame Zukunft gewinnen würden. Misstrauen und Vorurteile der Einheimischen gegenüber „den Fremden“, mussten überwunden werden. Allen Menschen guten Willens schreibt er eine gemeinsame geistige Heimat zu, was nach wie vor auch heutzutage noch Gültigkeit hat.
